Der Lieferschein erfüllt im nationalen Güterverkehr eine zentrale Funktion: Er dokumentiert die Übergabe von Waren, dient als Nachweis und Quittung und begleitet Sendungen durch die gesamte Lieferkette. Weil er dabei vor allem eine operative Pflichtfunktion erfüllt, hat sich seine Digitalisierung historisch kaum koordiniert entwickelt. Das Ergebnis ist eine fragmentierte Systemlandschaft, in der branchenspezifische Sonderlösungen und proprietäre Datenformate einen durchgängigen Austausch bis heute erschweren – und eine durchgängige Digitalisierung auf Dateneben verhindern.
Die Open Logistics Foundation nimmt sich genau diesem Problem an und startet innerhalb ihrer Working Group Electronic Transport Documents das Projekt eLieferschein. Den Projektlead übernimmt Markant. Markant ist ein europaweit tätiger Dienstleistungsanbieter, der Unternehmen aus Handel, Industrie und Logistik mit integrierten digitalen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt – von Finanz- und Zahlungsservices über Daten- und Integrationsplattformen bis hin zu Supply-Chain- und Marktdaten-Services. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedsunternehmen soll ein offenes, konsensbasiertes Datenmodell für den digitalen Lieferschein entstehen, ergänzt um standardisierte Programmierschnittstellen (APIs) und interoperable Schnittstellen. Der Antrieb dahinter ist nicht die Entwicklung eines neuen Produkts, sondern branchenübergreifende Interoperabilität: Systeme, Unternehmen und Branchen sollen miteinander kommunizieren können, unabhängig davon, welche Lösung sie heute bereits einsetzen.
Vom eCMR zum eLieferschein: bewährte Grundlage, neues Ziel
Das Projekt baut auf den Erfahrungen und Komponenten auf, die die Working Group Electronic Transport Documents bereits im Projekt eCMR entwickelt hat. Ziel der Working Group ist eine digitale Mappe. Mit dem digitalen Frachtbrief haben die Mitglieder der Open Logistics Foundation erfolgreich gezeigt, dass die Logistikbranche gemeinsam interoperable Open-Source-Standards schaffen und in die breite Anwendung bringen kann. Der eLieferschein ist der nächste logische Schritt: Während der eCMR den grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr adressiert, rückt nun ein Dokument in den Fokus, das im nationalen Transportgeschehen eine ebenso zentrale Rolle spielt und branchenübergreifend in völlig unterschiedlichen Ausprägungen existiert.
Ziel der Open Logistics Foundation ist nicht der Aufbau einer neuen Plattform, sondern die Bereitstellung eines offenen Baukastens mit relevanten Open-Source-Bausteine, die Unternehmen aufwandsarm in ihre bestehenden Systemlandschaften integrieren können. Im Mittelpunkt steht die Transformation vom Dokument zum strukturierten Datensatz. Die entwickelten Komponenten sind im Repository der Stiftung frei verfügbar und können im Rahmen der OLF-Lizenz auch kommerziell genutzt werden. „Wir fangen nicht bei null an, sondern bauen auf dem auf, was wir mit dem eCMR bereits gemeinsam geschaffen haben“, erklärt Reiner Sailer, Lead Service Owner SupplyChainServices bei Markant. „Das gibt uns eine belastbare technische Grundlage und der Branche einen Vorsprung bei der Digitalisierung ihrer Transportprozesse.“ Alexander Theegarten, Projektleiter, ergänzt: „Gleichzeitig bringen wir Erfahrungen aus bestehenden Standards (Stichwort EANCOM) in das Projekt mit ein, sodass nicht verschiedenste Standards entstehen.“
Offen für alle Mitbewerber
Das Projekt ist von Beginn an auf Breite angelegt: Logistikdienstleister, Verlader, Versender und IT-Anbieter sind gleichermaßen und jederzeit eingeladen, sich der Working Group anzuschließen und aktiv an der Entwicklung des Standards mitzuwirken. „Eine motivierte Gruppe von Frontrunner-Unternehmen hat dieses Projekt angestoßen“, sagt Nathalie Böhning, Innovations- und Projektmanagerin der Open Logistics Foundation. „Aber ein Standard lebt von der Vielfalt derer, die ihn nutzen und weiterentwickeln. Je mehr Know-how einfließt, desto robuster und praxistauglicher wird die Lösung für alle.“
Beteiligte des Projektes (Stand: Juli 2026)
Markant (Project Lead), CargoLedger, DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, Editel, Fraunhofer IML, GS 1 Germany, iteratec, Rhenus, Shippeo, Sitra, Tesisquare, Trans.eu, ZeKju, Zunarelli Studio Legale






